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    Genus

    aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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    Wikipedia:Hauptseite
    Dieser Artikel befasst sich mit dem grammatischen Geschlecht; für weitere Bedeutungen siehe Genus (Begriffsklärung).

    Das Genus ([ˈgeːnʊs/ˈgɛnʊs], Pl.: Genera [ˈgeːnəʁa/ˈgɛnəʁa]; von lat. genus ‚Art, Gattung, Geschlecht‘, als grammatischer Terminus technicus nach agr. γένος) oder grammatische Geschlecht ist ein in vielen Sprachen vorkommendes Klassifikationsmerkmal von Substantiven, das neben Kasus und Numerus die Deklination bestimmt. Es gibt Sprachen, die drei Genera (Maskulinum 'männlich', Femininum 'weiblich', Neutrum 'keines von beiden') unterscheiden (z. B. Latein oder Deutsch); andere kennen die zwei Genera Commune 'Gemeinsames' bzw. Utrum 'Beides' (Belebt) und Neutrum (Unbelebt) (z. B. Schwedisch) oder Maskulinum und Femininum (z. B. Hebräisch oder Französisch). In vielen Sprachen gibt es keine Genus-Differenzierung.

    Bei Personenbezeichnungen, aber auch bei Bezeichnungen für Tiere entspricht das benutzte Genus im Deutschen meist dem Sexus des betreffenden Menschen oder Tieres (zum Beispiel die Frau, der Mann; typische Ausnahme sind die Verkleinerungsformen (Diminuitiva), welche immer sächlich sind: das Mädchen). Ist das biologische Geschlecht unbekannt oder nicht wichtig oder soll über eine gemischtgeschlechtliche Gruppe gesprochen werden, so besteht im Deutschen die Möglichkeit, Oberbegriffe in der Form eines generischen Maskulinums („der Mensch“, „der Hund“), eines generischen Femininums („die Person“, „die Katze“) oder generischen Neutrums („das Opfer“, „das Pferd“) zu benutzen. Bei Personenbezeichnungen überwiegen generische Maskulina.

    Durch die feministische Linguistik wird die Methode, generische Maskulina zu benutzen, allerdings stark kritisiert.

    Bei Bezeichnungen für Gegenstände (der Tisch) oder Abstrakta (die Freiheit) gibt es im Deutschen keinen verallgemeinerbaren Zusammenhang zwischen der Bedeutung (Semantik) des Wortes und seinem Genus.

    Inhaltsverzeichnis

    [Bearbeiten] Genuskongruenz

    Sprachwissenschaftlich ist das Genus eine morphologische Kategorie der Substantive. Bei Sprachen, die den Zusammenhang von Wörtern dadurch anzeigen, dass diese Wörter formal in Übereinstimmung gebracht werden (Kongruenz), müssen Wörter, die sich auf das Substantiv beziehen, so flektiert werden, dass sie zum Genus des Substantivs passen (Genuskongruenz). In einigen Sprachen sind auch Verben vom Genus abhängig, zum Beispiel im Russischen und Arabischen.

    [Bearbeiten] Beispiel

    Die italienische Sprache und die deutsche Sprache zeigen Genuskongruenz, aber in unterschiedlichem Ausmaß:

    «Questa è una faccenda seria.» – „Das ist eine ernsthafte Angelegenheit.“
    «Questo è un problema serio.» – „Das ist ein ernsthaftes Problem.“

    Im Italienischen kongruieren Demonstrativpronomen (questa/questo), Artikel (una/un) und Attribut (seria/serio) mit dem Substantiv (faccenda ist weiblich, problema männlich), im Deutschen hingegen nur Artikel und Attribut.

    [Bearbeiten] Beziehung zu Nominalklassen

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    Das Genus-System, das vor allem in den indogermanischen und semitischen Sprachen sowie in einigen afrikanischen Sprachen vorkommt, wird von manchen Wissenschaftlern als eine spezielle Ausprägung eines Nominalklassen-Systems angesehen, wie es sich in anderen Ausprägungen auch noch in vielen anderen Sprachgruppen findet. Zum Beispiel findet man bei den Bantusprachen bis zu zehn solcher Klassen. Viele andere Sprachen, z. B. die Turksprachen, kommen jedoch ohne Nominalklassen aus. Das Vorhandensein von grammatischem Geschlecht in einer Sprache wurde in der Zeit des Kolonialismus ideologisch als Merkmal für kulturelle Überlegenheit angesehen (Hamitentheorie).

    [Bearbeiten] Beziehung zu Flexionsklassen

    Flexionsklassen unterscheiden sich von Genus in ihrer Eigenschaft zur Kongruenz. Während sich Flexionsklassen ausschließlich an ihrem Träger bemerkbar machen, kann Genus an verschiedene Konstituenten innerhalb einer Phrase vererbt werden.

    Im Deutschen, beispielsweise, gibt es drei Genera: Feminimum, Maskulinum und Neutrum. Diese werden nicht nur am Nomen in Form spezieller Kasus- und Numerusmarker gekennzeichnet, sondern auch in der Flexion vorangestellter Artikel, Adjektive und Adverbien:

    1. Guter Mann
    2. Gute Frau
    3. Der Mann
    4. Die Frau

    Flexionsklassen dagegen werden nur am Nomen selbst in Form von speziellen Kasus- und Numerusendungen gekennzeichnet, welche aber nicht an vorangestellte Artikel, Adjektive oder Adverbien vererbt werden. Beispielsweise gehören Planet und Mann im Deutschen zur Klasse der maskulinen Nomen, aber zu unterschiedlichen Flexionsklassen, was sich zum Beispiel an unterschiedlichen Dativendungen an ihnen bemerkbar macht. Während der Dativ von Planet durch die Endung -en gekennzeichnet wird, unterscheidet sich die Dativform von Mann heute meist nicht mehr von seiner Nominativform, bzw. der Dativ wird veraltet durch die Endung -e gekennzeichnet. Die flektierten Formen vorangestellter Konstituenten der Nominalphrase bleiben jedoch von der Flexionsklasse der Kopfnomen unberührt und richten sich nur nach den Genus, die in beiden Fällen gleich, nämlich maskulin sind:

    1. dem guten Mann-ø/-e
    2. dem guten Planeten

    [Bearbeiten] Genus verbi / Diathese

    Die Diathese geht von der Bedeutungsebene (Semantik) der Wörter aus. Werden Diathesen systematisch in grammatikalische Formen des Verbs umgesetzt, spricht man vom Genus verbi (lateinisch: "Geschlecht des Verbs"). Der Bezug zwischen Diathese und Genus verbi ist nicht immer eindeutig (Beispiel: Genus verbi und Diathese im Neugriechischen).

    [Bearbeiten] Genera in Sprachen

    [Bearbeiten] Keine Genera

    In folgenden indoeuropäischen Sprachen existiert keine Genus-Kategorie:

    Von den nicht-indoeuropäischen Sprachen z. B.:

    Auch die meisten Plansprachen, wie z. B. Esperanto. Dieses unterscheidet wie das Englische das Pronomen nach dem Sexus (li, ŝi, ĝi), während das vom Esperanto abgeleitete Ido ein zusätzliches Pronomen (lu) hat, das für alle drei geschlechtsgebundenen Pronomina stehen kann.

    [Bearbeiten] Unterscheidung Maskulinum – Femininum

    Die meisten romanischen Sprachen:

    Viele indoiranische Sprachen

    Die noch lebenden baltischen Sprachen

    Die keltischen Sprachen

    Eine einzige slawische Sprache unter italienischem Einfluss

    Andere Indo-europäische Sprachen:

    Semitische Sprachen:

    [Bearbeiten] Unterscheidung Utrum – Neutrum

    Die festlandskandinavischen Sprachen:

    Außerdem:

    [Bearbeiten] Unterscheidung Maskulinum – Femininum – Neutrum

    Von den germanischen Sprachen haben sechs die drei indoeuropäischen Genera bewahrt:

    • Deutsch mit allen seinen Dialekten (das Personalpronomen der 3. Person richtet sich meist nach dem Genus. In der Umgangssprache wird allerdings oft auch der Sexus berücksichtigt. Genus: Das Mädchen lachte – es stand am Fenster. Sexus: Das Mädchen lachte – sie stand am Fenster.
    • Niederländisch (in Resten, im Flämischen noch voll erhalten)
    • Friesisch: Nordfriesisch und Saterländisch sowie der westfriesische Dialekt von Schiermonnikoog (in Föhring und Amring sind allerdings Femininum und Neutrum weitgehend verschmolzen.)
    • der gotländische Dialekt des Schwedischen
    • der bornholmische Dialekt des Dänischen
    • Norwegisch (nynorsk)
    • Färöisch
    • Isländisch

    Von den romanischen Sprachen:

    • Rumänisch (Das Neutrum ist im Singular mit dem Maskulinum zusammengefallen, im Plural mit dem Femininum, solche Fälle gibt es vereinzelt auch im Italienischen.)
    • Aromunisch

    Die slawischen Sprachen mit Ausnahme des Moliseslawischen, darunter:

    Andere indoeuropäische Sprachen wie:

    [Bearbeiten] Wikilinks

    Wiktionary Wiktionary: Genus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

    [Bearbeiten] Literatur

    • Doleschal, Ursula. Das generische Maskulinum im Deutschen. Ein historischer Spaziergang durch die deutsche Grammatikschreibung von der Renaissance bis zur Postmoderne. Linguistik online 11, 2/02.
    • Leiss, Elisabeth. Genus und Sexus. Kritische Anmerkungen zur Sexualisierung von Grammatik. In: Linguistische Berichte 152 (1994), S. 281–300.
    • Corbett, Greville G. (1991) Gender, Cambridge University Press — A comprehensive study.
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