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    Adolf Hitler

    aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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    Porträt Hitlers, 1937

    Adolf Hitler (* 20. April 1889 in Braunau am Inn, Österreich-Ungarn; † 30. April 1945 in Berlin) war ein deutscher Politiker und Diktator österreichischer Herkunft. Er war ab 1921 Parteichef der NSDAP, seit 1933 Reichskanzler und von 1934 bis zu seinem Suizid unter der Bezeichnung Führer und Reichskanzler zugleich Regierungschef und Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches.

    Unter Hitlers Führung errichteten die Nationalsozialisten in Deutschland die Diktatur des sogenannten Dritten Reiches. Im Laufe des Jahres 1933 wurden alle anderen Parteien verboten oder zur Selbstauflösung gedrängt. Politische Gegner wurden verfolgt, in Konzentrationslagern inhaftiert oder ermordet. Hitler und seine Anhänger betrieben die systematische Entrechtung und Ermordung der europäischen Juden sowie anderer religiöser, ethnischer und gesellschaftlicher Gruppen und entfesselten den Zweiten Weltkrieg.[1] Infolge dieser Politik wurden weite Teile Deutschlands und Europas zerstört. Unter den rund 55 Millionen Toten im Zweiten Weltkrieg waren auch mehr als sechs Millionen in Hitlers Herrschaftsbereich systematisch ermordete Juden.

    Inhaltsverzeichnis

    Biografie

    Adolf Hitler als Kleinkind

    Fast alle Biografen Hitlers weisen auf die enorme Diskrepanz zwischen dessen erster und zweiter Lebenshälfte hin. Bis zu seinem 30. Lebensjahr war er, gemessen an den bürgerlichen Maßstäben seiner Zeit, nicht erfolgreich, da er weder eine Berufsausbildung noch nennenswerte soziale Bindungen hatte. Danach schwang sich Hitler innerhalb weniger Jahre zum Deutschen Reichskanzler und schließlich zum diktatorischen Herrscher über weite Teile Europas auf.

    Die frühen Jahre

    Um seine Herkunft und sein Leben vor dem Eintritt in die Politik machte Hitler stets ein Geheimnis. „Sie dürfen nicht wissen,“ sagte er 1930 über seine politischen Gegner, „woher ich komme und aus welcher Familie ich stamme.“ (Zitat nach Krockow). Döllersheim und Strones, die Heimatdörfer seiner Eltern und Großeltern, ließ er im Sommer 1938, gleich nach dem Anschluss Österreichs evakuieren, um einen Truppenübungsplatz anzulegen (Allentsteig). Krockow, Kershaw und andere Biografen Hitlers vermuten, dass die Gründe dafür in dessen ungeklärter und von Inzest nicht freien Herkunft zu suchen sind. Hitlers eigene Angaben in Mein Kampf zu seinen frühen Jahren dienten vor allem der Selbststilisierung und sind daher wenig vertrauenswürdig.

    Herkunft

    Hauptartikel: Familie Hitler

    Mutter: Klara Hitler (1860–1907)
    Vater: Alois Hitler (1837–1903)

    Hitlers Familie stammte aus dem niederösterreichischen Waldviertel an der Grenze zu Böhmen. Im 19. Jahrhundert schwankte der damals in Österreich nicht unübliche Name der Familie noch zwischen Hüttler, Hiedler, Hittler und Hitler. Die auf Franz Jetzinger zurückgehende Behauptung, der Name sei mit dem tschechischen Hidlar bzw. Hidlarcek verwandt,[2] wurde in der Literatur immer wieder aufgegriffen,[3] wird aber von der jüngeren Forschung eher abgelehnt. Am wahrscheinlichsten ist, dass sich die verschiedenen Namensvarianten, die sich in der dialektalen Aussprache phonetisch kaum unterscheiden, von Hütte ableiten, der Name also so viel bedeutet wie Kleinbauer oder Häusler.[4] Gegen diese übliche Deutung wandte der Namenforscher Jürgen Udolph ein, der ursprüngliche Name von Adolf Hitlers Großvater, Hiedler, leite sich vom Mundart-Begriff Hiedl ab. Diese Bezeichnung für eine unterirdische Wasserader deute darauf hin, dass Hitlers Vorfahren an einem zeitweise versiegenden Wasserlauf gelebt hätten.[5]

    Der spätere Diktator wurde in der oberösterreichischen Stadt Braunau am Inn geboren – am 20. April 1889 um 18:30 Uhr im Gasthof Pommer, Salzburger Vorstadt 219 (heute Hausnummer 15). Er war das vierte von sechs Kindern des Zollbeamten Alois Hitler und dessen dritter Frau Klara (geb. Pölzl), die zugleich seine Cousine[6] zweiten Grades war. Von den sechs Kindern des Paares erreichten nur Adolf und seine Schwester Paula das Erwachsenenalter. Alois Hitler hatte aber noch einen unehelichen Sohn und eine Tochter von seiner zweiten Frau: Alois junior und Angela. In Mein Kampf schildert Hitler den Vater als streng, autoritär, mitunter auch jähzornig und gewalttätig. Es ist jedoch umstritten, ob Hitlers Erziehung strenger war als zu dieser Zeit üblich.

    Ahnentafel Hitlers

    Hitler hielt seinem Vater stets zugute, dass dieser, ein unehelicher Sohn der Bauernmagd Anna Maria Schicklgruber († 1847), seinen Nachnamen im Alter von 38 Jahren in Hitler (Hiedler) hatte ändern lassen. Dies geschah allerdings erst 1876, fast 30 Jahre nach dem Tod der Mutter und anlässlich einer in Aussicht gestellten Erbschaft seines angeblichen Onkels Johann Nepomuk Hiedler (1807–1888). Dieser gab vor dem Ortspfarrer von Döllersheim an, sein 15 Jahre älterer, damals ebenfalls bereits verstorbener Bruder, der Müllerknecht Johann Georg Hiedler sei Alois’ Vater gewesen. Er brachte Zeugen bei, die bestätigten, Johann Georg Hiedler habe sich ihnen gegenüber vor Jahren zu der Vaterschaft bekannt. Offiziell hat er dies zu Lebzeiten jedoch nie getan. Da er aber Anna Schicklgruber später geheiratet hatte, fand sich der Pfarrer bereit, Alois’ Geburtseintragung von „unehelich“ in „ehelich“ zu ändern.

    In der heutigen Forschung gilt jedoch Johann Nepomuk Hiedler, nicht zuletzt wegen seiner Bemühungen um Alois Schicklgruber, als wahrscheinlichster Kandidat für die Vaterschaft. Damit wäre er gleichzeitig Großvater väterlicherseits und Urgroßvater mütterlicherseits von Adolf Hitler. (→ Ahnentafel Hitlers).

    Hitler wusste also nicht mit letzter Sicherheit, wer sein Großvater war. Dieser Umstand musste für den Propagandisten einer rassistischen Ideologie politisch brisant werden, als er seit Anfang der 1920er Jahre zunehmend bekannter wurde. Politische Gegner haben schon damals immer wieder nachzuweisen versucht, dass der Führer der antisemitischen und extrem nationalistischen NSDAP selbst jüdische oder tschechische Vorfahren habe. Schon ab Mitte der zwanziger Jahre wurde aufgrund von Hitlers ungeklärten Familienverhältnissen das später von Hans Frank in den Nürnberger Prozessen noch einmal bekräftigte Gerücht kolportiert, Hitlers Großmutter sei mit seinem Vater Alois schwanger geworden, als sie als Dienstmagd im Haushalt eines Grazer Juden namens Frankenberger gearbeitet habe.[7] Dies ist nach neuestem Kenntnisstand sicher falsch, entsprechende Gerüchte konnten widerlegt werden.[8] Für Hitler waren sie und die zum Teil inzestuösen Verhältnisse in seiner Familie aber dennoch Grund genug, seine Herkunft möglichst zu verschleiern.

    Kindheit

    Gedenkstein vor dem Geburtshaus Hitlers

    Wegen seines Berufs zog Alois Hitler mit seiner Familie häufig um: von Braunau zunächst nach Passau, später nach Lambach und schließlich nach Leonding bei Linz.

    Psychoanalytische Untersuchungen zu Hitler gehen häufig, wie etwa Arno Gruen, davon aus, dass Hitlers Beziehung zu seinem Vater durch Gewalt geprägt war. Seine Mutter dagegen „vergötterte“ ihn. Aus diesem Spannungsverhältnis wird Hitlers späterer Charakter erklärt: Die Mutter könne den Sohn nicht vor den Züchtigungen des Vaters schützen, vergöttere ihn als Ausgleich und setze ihn dadurch in einem Machtspiel gegen den Vater. Das Kind erlebe die Mutter als schwach und verachtenswert, ebenso wie sein Vater sie wahrnehme. Gleichzeitig wolle der Sohn die Mutter gegen den Vater beschützen. Diese Situation stürze das Kind in Konflikte, denen es nur durch Entfremdung von sich selbst und seinen Bedürfnissen ausweichen könne. Durch diese Entfremdung entwickle sich nur eine schwache Identität. Die innere Leere werde durch gewalttätige Fantasien und aufgesetzte Posen überspielt.[9]

    Auf den verschiedenen Volksschulen, die Adolf Hitler besuchte, war er ein guter Schüler, auf der Realschule in Linz versagte er dagegen völlig. Bereits das erste Jahr dort, 1900/1901, musste er wiederholen, und seine Lehrer bescheinigten ihm „mangelnde Arbeitslust“. Die dritte Klasse in der Realschule in Linz schloss er 1904 erneut mit so mangelhaften Noten ab, dass eine Wiederholung der Klasse drohte. Da sein Vater aber in diesem Jahr gestorben war, bot die Schule Hitlers Mutter an, ihn zu versetzen, allerdings nur unter der Bedingung, dass er die Schule wechselte. Hitler besuchte daher nun die Realschule in Steyr, die als weniger anspruchsvoll galt. Aber auch dort besserten sich seine Leistungen nicht. Er blieb sitzen, schaffte die Wiederholungsprüfung nicht und verließ die Schule sechzehnjährig, im Herbst 1905, ohne Abschluss.

    Ludwig Wittgenstein und Hitler besuchten dieselbe Realschule.

    Hitler stellte dies später als eine Art von Lernstreik gegen den Vater dar, der ihn in eine Beamtenlaufbahn habe drängen wollen, während er selbst den Beruf des Kunstmalers anstrebte. An dieser Darstellung ist insofern etwas Wahres, als Hitler sich zeitlebens als verkannter Künstler sah, mit regelmäßiger Arbeit nicht zurecht kam, und außerdem Egozentrik zu seinen hervorstechendsten Eigenschaften gehörte. Gegen Hitlers Darstellung spricht jedoch, dass sein Vater schon am 3. Januar 1903 im Alter von 65 Jahren gestorben war. Der Erziehungsdruck auf den 13-Jährigen ließ also nach, ohne dass seine Leistungen deshalb besser wurden. Mehr als eine aus verschiedenen Quellen wahllos angelesene Halbbildung hat er in seinem Leben nie erworben.

    Jahre in Wien und München

    Von 1903 an bezog Hitler eine Halbwaisen-Rente. Damit und mit der Unterstützung durch seine Mutter war er ab 1905 finanziell unabhängig. Im September 1907 unterzog er sich an der Allgemeinen Malerschule der Wiener Kunstakademie zusammen mit weiteren 112 Kandidaten der Aufnahmeprüfung.

    Nur 28 bestanden die Prüfung, alle anderen, darunter auch Hitler und der Mitbewerber Robin Christian Andersen wurden abgewiesen. Er blieb zunächst in Wien, kehrte aber nach Linz zurück, nachdem seine Mutter am 21. Dezember 1907 an Brustkrebs gestorben war. Anders als die Schilderungen seiner Jugendzeit in Mein Kampf suggerieren, konnte Hitler von seiner Waisenrente anfangs relativ gut leben. Sein Einkommen, zusätzlich aufgebessert durch den Verkauf selbst gemalter Bilder und Postkarten, lag über dem Anfangsgehalt eines Lehrers. Das Empfehlungsschreiben einer Bekannten an den renommierten Bühnenbildner Alfred Roller, der sich zu einem Empfang Hitlers bereit erklärte, führte letztlich zu keinem Ergebnis. Im Herbst 1909 wurde er bei seiner zweiten Bewerbung an der Kunstakademie nicht mehr zur Probe zugelassen. Danach machte er keine Anstalten mehr, einen Beruf oder auch nur eine Berufsausbildung in Angriff zu nehmen.

    In Wien kam er mit den Schriften des Rassenideologen und Antisemiten Jörg Lanz von Liebenfels in Kontakt. Auch die antisemitischen Polemiken von Politikern wie dem Führer der Alldeutschen Bewegung Georg Ritter von Schönerer und dem Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger nahm er auf. Seine Vorstellung von einer überlegenen arischen sogenannten Herrenrasse dürfte sich damals gebildet haben, seine Vorbilder ließ er aber stets unerwähnt. Mehr als für Politik hat sich Hitler nach Aussagen seines damaligen Freundes August Kubizek für Opern interessiert, insbesondere für die Richard Wagners.

    Nach der zweiten Ablehnung durch den Vorstand der Kunstakademie ging Hitler allmählich das Geld aus. Er zog im Dezember 1909 in das Obdachlosenasyl in Meidling und Anfang 1910 in das Männerwohnheim in der Meldemannstraße. Als Maler von Sehenswürdigkeiten Wiens fand er ein bescheidenes Auskommen. Hitler malte und zeichnete in Wien bis Mitte 1910 zahlreiche kleinformatige Bilder. Da er selbst eher kontaktscheu war, übernahm ein Mitbewohner, Reinhold Hanisch, den Verkauf seiner Bilder. Weil er sich bei einem Geschäft von Hanisch betrogen fühlte, übertrug er den Verkauf einem jüdischen Mitbewohner namens Siegfried Löffner. Im August 1910 wurde Hanisch durch Löffner wegen der angeblichen Unterschlagung eines Hitler-Bildes bei der Wiener Polizei angezeigt. Da sich bei dieser Gelegenheit herausstellte, dass Hanisch in Wien unter dem falschen Namen Fritz Walter gemeldet war, wurde er am 11. August 1910 zu einer Gefängnisstrafe von sieben Tagen verurteilt. 1912 wurde Hitler seinerseits von einer anonymen Person wegen des unberechtigten Führens des Titels eines „akademischen Malers“ bei der Polizei angezeigt und ermahnt, diesen Titel zukünftig nicht mehr zu gebrauchen. In der Forschung wird angenommen, dass der Maler Karl Leidenroth, ein Freund Hanischs, die Anzeige in dessen Auftrag erstattete, um sich für die Anzeige aus dem Jahr 1910 zu revanchieren.[10] Danach schränkte Hitler seine künstlerische Tätigkeit ein. Bemerkenswerterweise arbeitete er beim Handel mit seinen Bildern mit zahlreichen weiteren Juden zusammen, so mit dem ungarischen Männerheimbewohner Josef Neumann, der als sein Verkäufer fungierte, sowie den Händlern Jakob Altenberg und Samuel Morgenstern. Es ist daher fraglich, ob Hitlers Antisemitismus damals bereits so ausgeprägt war, wie er in Mein Kampf behauptete.

    Werner Maser und Joachim Fest gehen davon aus, dass Hitler Hanisch 30 Jahre später 1938 verhaften ließ – beziehungsweise ihn nach dem Einmarsch in Österreich bereits verhaftet vorfand – um ihn dann im Konzentrationslager Buchenwald ermorden zu lassen.[11] Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Hanisch bereits am 4. Februar 1937 während seines Aufenthaltes im Wiener Inquisitenspital an einem Herzschlag starb. Brigitte Hamann konnte nicht nur einen Bericht des untersuchenden Gerichtsarztes in der Wiener Todesfallaufnahme zu Tage fördern, sondern auch einen Brief von Hitlers Wiener Emissär Franz Feiler vom 11. Mai 1938 ausfindig machen, in dem Feiler seinem Vertrauensmann im NSDAP-Hauptarchiv Ernst Schulte-Strathaus mitteilt, Hanisch sei „vor 1,5 Jahren gestorben.“[12]

    Nachdem Hitler im Mai 1913 das Erbe des Vaters ausgezahlt worden war, zog er vom Männerwohnheim in Wien nach München um, wo er bei dem Schneider Josef Popp zur Untermiete wohnte. Der Umzug hatte auch den Zweck, dem Militärdienst in Österreich zu entgehen. In Mein Kampf schrieb er später, er habe sich nach einer „deutschen Stadt“ gesehnt. Hier las er die rassistischen Schriften Houston Stewart Chamberlains. Hitler malte in München weiterhin Aquarelle und gelegentlich Ölbilder, meist Architekturdarstellungen nach fotografischen Vorlagen. Er verkaufte die Arbeiten vornehmlich in der Kunsthandlung Stuffle am Maximiliansplatz.

    Nach längerer Suche durch die österreichische Polizei und Vorführung beim österreichischen Konsulat in München durch Beamte der Münchner Kriminalpolizei am 19. Januar 1914 fuhr er am 5. Februar 1914 zur Musterung nach Salzburg. Hier wurde er als waffenunfähig beurteilt und vom Militärdienst in Österreich zurückgestellt. Dass Hitler nicht prinzipiell dem Kriegsdienst aus dem Weg gehen wollte, zeigte sich bald danach: Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich umgehend als Kriegsfreiwilliger.

    Im Ersten Weltkrieg

    Der 25-jährige Hitler begrüßte begeistert den Kriegsausbruch im Jahr 1914. Eine Fotografie Heinrich Hoffmanns zeigt ihn inmitten der Großdemonstration am 2. August 1914 auf dem Odeonsplatz. Diese Fotografie wurde später massenhaft verbreitet.

    Hitler trat am 16. August 1914 als Freiwilliger in die Bayerische Armee ein. Dort wurde der Österreicher am 8. Oktober 1914 auf den König von Bayern und anschließend auf den österreichischen Kaiser Franz Joseph vereidigt. Als Soldat des 16. Kgl. Bay. Reserve-Infanterie-Regiments List (6. Königlich Bayerische Reserve-Division) verbrachte er fast die gesamte Kriegszeit als Meldegänger an der Westfront.

    Hitler (ganz links) als Soldat im Jahr 1915, rechts der Hund „Foxl“

    Nach seiner Beteiligung an der Ersten Flandernschlacht erhielt Hitler am 3. November rückwirkend zum 1. November 1914 seine Beförderung zum Gefreiten. Am 2. Dezember desselben Jahres wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Den spontanen Weihnachtsfrieden 1914 missbilligte er. Hitler hinterließ mehrere Feldpostbriefe, von denen der vom 5. Februar 1915 der bedeutendste ist. Nach einer detailreichen Schilderung der Kampfhandlungen äußert er am Schluss seine Hoffnung auf die endgültige Abrechnung mit den Feinden im Inneren.[13]

    Die Theorie, Hitler habe als Soldat ab 1916 eine Affäre mit der Französin Charlotte Eudoxie Alida Lobjoie gehabt, aus der dann Jean Loret als unehelicher Sohn hervorgegangen sei, gilt in der Forschung als eher unwahrscheinlich; sie wird im Wesentlichen nur von Werner Maser vertreten. Seit dem 26. September 1916 war er Teilnehmer der Schlacht an der Somme. Bei Le Bargur wurde Hitler am 5. Oktober 1916 am linken Oberschenkel verwundet, als im Unterstand der Meldegänger eine Granate explodierte. Man schickte ihn vom 9. Oktober bis zum 1. Dezember in das Lazarett Beelitz, das ihm mit seinen weißen Betten und sorgenden Krankenschwestern geradezu unwirklich vorkam.[14]

    Erst im März 1917 kam er wieder an die Front und nahm im Sommer an der Dritten Flandernschlacht teil, woraufhin er das Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Schwertern erhielt. Nach einem Heimaturlaub in Berlin im Oktober 1917 war er ab Ende März 1918 an der Deutschen Frühjahrsoffensive beteiligt. Im Mai erhielt er ein Regimentsdiplom für hervorragende Tapferkeit und das Verwundetenabzeichen in Schwarz; am 4. August wurde er auf Initiative des jüdischen Regimentsadjutanten Hugo Gutmann mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.

    Hitler galt als korrekter Soldat, der aber bei seinen Kameraden wegen seiner unkritischen Haltung gegenüber den Offizieren eher unbeliebt war: „Den Vorgesetzten achten, niemandem widersprechen, blindlings sich fügen“, so schilderte er selbst seine damalige Haltung während des Putschistenprozesses im Jahr 1924. Seine Außenseiterrolle wird von einer Äußerung eines Regimentskameraden verdeutlicht, die Hitlers erster und zeitgenössischer Biograph Konrad Heiden zitiert: „Wir alle schimpften auf ihn und fanden es unerträglich, dass wir einen weißen Raben unter uns hatten.“ Allerdings traten laut Hitler-Biograph Ian Kershaw die meisten von Hitlers Kriegskameraden später der NSDAP bei.[15]

    Kurz vor Kriegsende wurde Hitler nach einem am 15. Oktober 1918 mit Senfgas durchgeführten britischen Angriff am 21. Oktober in das Lazarett der vorpommerschen Stadt Pasewalk eingewiesen, wo er sich bis zum 19. November aufhielt. Die vorübergehende Blindheit, wegen der er behandelt wurde, führte er selbst auf eine Augenverletzung in Folge des Gasangriffs zurück.[14] Hier wurde er mit den anderen Verwundeten am 10. November durch den Lazarettgeistlichen über die Novemberrevolution und die laufenden Waffenstillstandsverhandlungen im Wald von Compiègne informiert, was Hitler selbst später als seelische Krise schilderte, bei der es ihm „um die Augen wieder schwarz ward“.[14] Ian Kershaw weist darauf hin, dass die Auswirkungen von Senfgas zu einer so schweren Bindehautentzündung und Schwellung der Augenlider führen, dass der Sehsinn teilweise stark beeinträchtigt ist. Er bezweifelt jedoch, dass Hitler in Pasewalk ein zweites Mal, „also hysterisch oder halluzinatorisch“ erblindete.[16]

    Von Bernhard Horstmann stammt die Hypothese, dass die Blindheit eine nachträglich eingetretene, hysterische Reaktion auf Revolution und Niederlage gewesen sein könnte. Demnach wurde Hitler von dem Militärarzt Edmund Forster psychiatrisch behandelt und als Psychopath eingestuft, der zu Führungsaufgaben völlig ungeeignet sei.[17] Aufgrund der ungünstigen Quellenlage zu Hitlers Zeit in Pasewalk zieht Horstmann den Roman Der Augenzeuge von Ernst Weiß als Schlüsselquelle heran und nimmt die Schilderung der Heilung der „hysterischen Blindheit“ durch Hypnose wörtlich, obwohl andere Teile des Romans den historischen Tatsachen widersprechen.[18]

    Der Kompanieführer Hitlers wird von Konrad Heiden,[19] auf den möglicherweise Der Augenzeuge aufbaut,[20] in ähnlicher Weise zitiert: „Diesen Hysteriker mache ich niemals zum Unteroffizier!“ Demnach hatte es nicht nur mit Hitlers österreichischer Staatsbürgerschaft zu tun, dass er – obwohl mehrfach verwundet und mit dem Eisernen Kreuz beider Klassen sowie weiteren Ehrenzeichen versehen – nie über den Status eines Gefreiten hinauskam. Fritz Wiedemann und Max Amann betonten in diesem Zusammenhang, Hitler selbst habe eine Berücksichtigung bei Beförderungen abgelehnt.

    Dennoch sei seine Fronterfahrung laut Sebastian Haffner für Hitler ein Bildungserlebnis gewesen, da er in seinem späteren Leben von militärischen Fragen durchaus etwas verstanden habe. Allerdings nennt Haffner die Fronterfahrung Hitlers auch dessen „einziges Bildungserlebnis“.

    Hitlers Aufstieg

    Politische Anfänge

    Hitler behauptete später, die Empörung über den verlorenen Krieg und den „Verrat der Novemberverbrecher habe in ihm den Entschluss reifen lassen, Politiker zu werden. Auch dies darf angezweifelt werden angesichts der unklaren Haltung zu den Zeitereignissen, die er in den ersten Monaten nach Kriegsende erkennen ließ.

    Von politischen Ambitionen Hitlers ist unmittelbar nach dem Krieg nichts festzustellen. Er kehrte in die Kaserne seines Regiments nach München zurück und zeigte zunächst nur das Bestreben, nicht entlassen zu werden. Er ließ sich mehrfach zu einem der Vertrauensleute seines Regiments wählen und war damit eine Art Verbindungsmann zur revolutionären Münchner Räteregierung des sozialistischen bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner.

    In den Wirren nach dessen Ermordung ergriff Hitler weder auf Seiten der Räterepublik Partei noch – wie man angesichts seiner späteren Entwicklung hätte erwarten können – auf Seiten ihrer Gegner, der zumeist völkisch und antidemokratisch gesinnten Freikorps. Er scheint sich damals vorsichtig im Hintergrund gehalten zu haben. Ein Film aus dieser Zeit zeigt Hitler im Trauerzug für den ermordeten Eisner, der Jude gewesen war. Hitler trug dabei eine vermutlich rote Armbinde, die auf eine Verbindung mit linken Kräften hindeutet. Auch dies wird von einigen Historikern als Hinweis darauf gewertet, dass Hitlers politische Anschauungen zu dieser Zeit noch nicht so ausgeprägt gewesen sein können, wie er es sechs Jahre später in Mein Kampf darstellen sollte.

    Nach der blutigen Niederwerfung der Räterepublik ließ Hitler sich von der Münchener Reichswehrverwaltung anwerben, die damals den entscheidenden Machtfaktor in Bayern darstellte. Es gibt Hinweise darauf, dass er sich das Wohlwollen der neuen Machthaber erkaufte, indem er Regimentskameraden verriet, die sich auf Seiten der Räteregierung engagiert hatten. Die entscheidenden Männer der sogenannten schwarzen Reichswehr – z. B. der Hauptmann Ernst Röhm – scheinen in dem Gefreiten Hitler bald einen potenziellen Agitator gesehen zu haben, mit dessen Hilfe sich nationalistische Ideen unter Arbeitern verbreiten ließen. Seine Vorgesetzten schickten Hitler zu Schulungen für Propaganda-Redner und beauftragten ihn damit, politische Parteien und Zirkel zu bespitzeln, die im nachrevolutionären München wie Pilze aus dem Boden schossen.

    Hitlers Mitgliedskarte der DAP

    Dazu gehörte auch die von dem Journalisten Karl Harrer und dem Schlosser Anton Drexler gegründete Deutsche Arbeiterpartei (DAP), die fremdenfeindliche, antisemitische und pseudo-sozialistische Ideen propagierte. Am 12. September 1919 besuchte Hitler, aufgrund einer Empfehlung von Hauptmann Karl Mayr aus der völkisch-nationalistischen Vereinigung Eiserne Faust, erstmals eine ihrer Versammlungen. Als dabei ein Redner die Trennung Bayerns vom Reich forderte, widersprach Hitler ihm so energisch wie wortreich und fiel durch sein Rednertalent auf. Erstmals hatten er selbst und andere eine gewisse Begabung an ihm entdeckt: Er konnte Zuhörer fesseln und Emotionen wecken. Drexler meinte angeblich sofort zu Harrer: „Dör hot a Goschn, den kennt ma braucha!“ (Hochdeutsch: „Der hat Rednertalent, den könnten wir brauchen!“) und versuchte, ihn noch am gleichen Abend anzuwerben. Im Auftrag seiner Vorgesetzten trat Hitler am 19. Oktober 1919 der DAP bei – als 55. Mitglied, nicht als siebentes, wie er später stets behauptete. Seine Mitgliedsnummer 555 rührte daher, dass die DAP mit der Zählung ab 501 begann, um etwas mehr Größe vorzutäuschen. Zu dieser Zeit kam Hitler auch erstmals mit dem antisemitischen Schriftsteller Dietrich Eckart von der Thule-Gesellschaft in Kontakt. Eckart war auf der Suche nach einem Agitator, der Arbeiter und Angehörige der Unterschichten für rechtsradikale Ideen gewinnen sollte. Als einer der ersten sah Eckart, der im August 1921 Chefredakteur des Völkischen Beobachters[21] wurde, in Hitler diesen Mann und förderte ihn seither mit Rat und Tat.

    Da Hitler mit seinen aufputschenden Reden immer mehr Zuhörer und Mitglieder anlockte, gewann er bald größere Bedeutung für die kleine DAP. Zunächst war er dort als Werbeobmann tätig und im Frühjahr 1920 an der Ausarbeitung des 25-Punkte-Programms der DAP beteiligt, die sich auf sein Betreiben in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannte. Als er am 31. März 1920 schließlich aus der Armee entlassen wurde, konnte er bereits von seinen Honoraren als Redner leben. Als Agitator war er für die noch wenig beachtete NSDAP unersetzlich. Dies nutzte er aus, als er im Juli 1921 die alte Parteiführung entmachtete und mit einem Ultimatum seine Wahl zum Vorsitzenden der NSDAP erzwang. Hitler war nun eine politische Lokalgröße, die aber außerhalb Bayerns eher Belustigung als Furcht erregte.

    Putsch und Inhaftierung

    Hitler, rechts neben Ludendorff (Bildmitte), mit Teilnehmern des Hitler-Ludendorff-Putsches (1924)

    Bayern wurde seit der Niederschlagung der Räterepublik von dem nationalistisch und monarchistisch gesinnten Generalstaatskommissar Gustav Ritter von Kahr regiert, der keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen die Demokratie und die angebliche „rote Reichsregierung“ machte. Hitler und der frühere Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung (OHL) Erich Ludendorff, der inzwischen zu den Sympathisanten der NSDAP gehörte, sahen in Kahr daher einen Verbündeten in ihrem Plan, nach dem Vorbild von Mussolinis Marsch auf Rom vom Oktober 1922 die Regierung in Berlin gewaltsam zu stürzen. Aufgrund der französischen Ruhrbesetzung, der enormen Inflation und heftiger innerer Unruhen in Deutschland glaubte er, auch bei breiten Bevölkerungsschichten Unterstützung zu finden.

    Am Abend des 8. November 1923 stürmten Hitler und einige Bewaffnete den Münchner Bürgerbräukeller, in dem Kahr eine Rede hielt. Doch nur unter vorgehaltener Waffe ging dieser zum Schein auf Hitlers Angebot ein. Am nächsten Morgen jagte die Polizei den Marsch Hitlers und seiner Anhänger schon an der Feldherrnhalle auseinander. Ludendorff wurde noch am 9. November verhaftet, Hitler einige Tage später. Der Prozess gegen die Teilnehmer am Hitler-Ludendorff-Putsch begann am 26. Februar 1924. Er hätte nach Gesetzeslage mit langen Haftstrafen und zumindest mit der Ausweisung Hitlers enden müssen, der damals noch immer österreichischer Staatsbürger war. Aber wie in der Weimarer Republik üblich wurden die rechtsextremen Täter mit äußerster Milde behandelt. Der Gerichtspräsident nahm es sogar hin, von Hitler wegen seiner jüdischen Herkunft angegriffen zu werden. Ludendorff redete seine Beteiligung an dem damals so genannten Bierkellerputsch möglichst klein und erreichte einen Freispruch. Hitler, der wusste, wie wenig er riskierte, ergriff die Chance, sich selbst als alleinigen Initiator des ganzen Unternehmens darzustellen.

    Die Richter taten sich schwer, Hitler überhaupt zu verurteilen und attestierten ihm, während des Aufstands vom „edelsten selbstlosen Willen geleitet“ worden zu sein. Er wurde wegen Hochverrat zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Das Gericht verzichtete zudem darauf, den österreichischen Staatsbürger Hitler aus Deutschland auszuweisen, obwohl das Gesetz zum Schutz der Republik dies für straffällig gewordene Ausländer vorsah. Auch von seiner Haftstrafe musste er nur neun Monate in der Festung Landsberg absitzen. Bereits am 20. Dezember 1924 wurde Hitler entlassen. Er hatte die Haftzeit genutzt, seinem damaligen Sekretär Rudolf Heß den ersten Teil seines Buches Mein Kampf zu diktieren, in dem er offen seine politischen Ziele und die Ideologie des Nationalsozialismus beschrieb.

    Dank der Berichterstattung über den Prozess wurde Hitler nun auch im Norden Deutschlands als der radikalste aller völkischen Politiker bekannt. Seine Stellung in der NSDAP war gefestigter denn je und in der völkischen Bewegung gewann seine Stimme erheblich an Gewicht. Hatte er sich bis dahin eher als Trommler der Bewegung gesehen, der den Weg für einen anderen Retter Deutschlands wie etwa Ludendorff frei machen sollte, so sah er sich nun zunehmend selbst in der Rolle des großen Führers. All das nützte ihm jedoch zunächst wenig. Zwar wurde die NSDAP nach einem anfänglichen Verbot wieder zugelassen, aber die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Weimarer Republik stabilisierten sich. Der bis 1929 anhaltende wirtschaftliche Aufschwung bot radikalen Parteien kaum Ansätze für ihre Agitation.

    Neubeginn und Aufstieg der NSDAP

    Nach seiner Haftentlassung begann Hitler damit, die NSDAP unter seine alleinige Kontrolle zu bringen. In Norddeutschland hatte sich unter Gregor Strasser ein starker Parteiflügel gebildet, der Hitlers Anlehnung an die alten, monarchistischen Machteliten nicht mittragen wollte und einen sozialrevolutionären Kurs befürwortete. Hitler gelang es rasch, Strasser und seine Anhänger entweder politisch kaltzustellen oder auf seine Seite zu ziehen, wie zum Beispiel Joseph Goebbels.

    Aus dem fehlgeschlagenen Putsch hatte er den Schluss gezogen, dass es die Macht im Staat nicht auf revolutionärem, sondern auf legalem Weg zu erobern galt. Ihm ging es darum, die Demokratie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen und zu untergraben. Die NSDAP sollte in die Parlamente einziehen, aber ohne dort konstruktiv mitzuarbeiten. Zudem sollte die SA mit spektakulären Aufmärschen, Straßenschlachten und Krawallen die Blicke der Öffentlichkeit auf die Partei und ihren Führer lenken und zugleich die Schwäche des demokratischen Systems offenbaren. Für die späteren Wahlerfolge der Partei waren nicht zuletzt ihre für die damaligen deutschen Verhältnisse völlig neuen Methoden der Werbung und Massenbeeinflussung verantwortlich. Mit seiner Ruhrkampagne versuchte er vergeblich, dafür die Unterstützung der Ruhrindustrie zu gewinnen.

    Eine erste Möglichkeit, in ganz Deutschland propagandistisch tätig zu werden, war das 1929 von NSDAP und DNVP gemeinsam initiierte Volksbegehren gegen den Young-Plan, der eine abschließende Regelung der Reparationsfragen zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Kriegsgegnern vorsah. Das Volksbegehren scheiterte zwar, aber Hitler und die NSDAP gewannen in den Reihen des nationalistisch-konservativen Bürgertums erheblich an Zustimmung, was sich bei den Landtagswahlen in Thüringen im Herbst 1929 erstmals in einem deutlichen Zuwachs an Wählerstimmen auszahlte. Vor allem konnte Hitler seither auf die publizistische Unterstützung durch das Presseimperium des DNVP-Vorsitzenden Alfred Hugenberg setzen. Dieser sah – wie zuvor Ludendorff und später Papen – in Hitler und der NSDAP nur willige, lenkbare Instrumente, um den deutschnationalen Kräften zu einer Massenbasis im Volk zu verhelfen.

    Zum Durchbruch auf nationaler Ebene verhalf Hitler aber erst die Weltwirtschaftskrise, die Ende 1929 ausbrach und Deutschland besonders hart traf. Über die Finanzkrise des Reichs brach am 27. März 1930 die Weimarer Koalition auseinander. Hermann Müller (SPD), dem letzten Kanzler, der noch über eine demokratisch gesinnte Reichstagsmehrheit verfügte, folgte das erste Präsidialkabinett des Zentrums-Abgeordneten Heinrich Brüning, das sich allein auf das Vertrauen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg stützen konnte. Bei den Neuwahlen am 14. September steigerte die NSDAP ihren Wähleranteil mit einem Schlag von 2,6 auf 18,3 Prozent. Statt mit 12 Abgeordneten, wie bis dahin, zog sie nun mit 107 in den Reichstag ein. Die staatstragenden, demokratischen Parteien der Mitte hatten keine Mehrheit mehr und Hitler war endgültig zu einem Machtfaktor in der deutschen Politik geworden.

    Hitlers Weg zur Kanzlerschaft

    2. Wahlgang zum Reichspräsidenten
    Hitler am 21. Juni 1932 (Mitte vorn) in der Diskussion mit Göring und Hanfstaengl

    Den nach freiwilliger Aufgabe der österreichischen Staatsbürgerschaft seit 1925 staatenlosen Hitler machte erst die Anstellung als Regierungsrat beim Landeskultur- und Vermessungsamt des Freistaates Braunschweig mit sofortiger Abordnung an die Braunschweigische Gesandtschaft beim Reichsrat in Berlin Ende Februar 1932 zum deutschen Staatsangehörigen (→ Einbürgerung Adolf Hitlers),[22] und damit erfüllte er eine formale Voraussetzung zur Kandidatur bei der Reichspräsidentenwahl im selben Jahr. Nachdem Hindenburg im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verfehlt und sich erst im zweiten Wahlgang im Unterschied zu Hitler (36,8 %) mit 53 % durchgesetzt hatte, bedurfte es weiterer Etappen bis zur Reichskanzlerschaft. Am 31. Juli 1932 wurde die NSDAP mit 37,3 % stärkste Partei bei den Reichstagswahlen, verlor aber bei erneuten Reichstagswahlen am 6. November 1932 beträchtlich, wobei sie mit 33,1 % relativ stärkste Partei blieb. Als die NSDAP bei den Landtagswahlen in Lippe 39,5 % der Stimmen erzielte, wertete die Partei das als Zeichen ihrer Stabilisierung, so dass nach dem Rücktritt Schleichers am 28. Januar 1933 der Weg für Hitler frei wurde, der seit Ende 1932 zusammen mit Goebbels und Göring kompromisslos auf seine Kanzlerschaft gedrängt hatte.

    Die Kamarilla um Paul von Hindenburg trieb zur Unterstützung einer nationalistisch ausgerichteten Regierung die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler voran. Unterstützung suchte Hitler weiterhin bei Großindustrie und Banken. Schon in der Frühphase der NSDAP hatte er antikapitalistische Tendenzen in der Partei klein zu halten versucht und stets darauf bestanden, allein die Juden für die Misere der Wirtschaft verantwortlich zu machen. Bei einer Rede vor dem Düsseldorfer Industriellenclub 1932 hob Hitler die Rolle der Wirtschaftseliten lobend hervor und betonte, dass das deutsche Volk nicht überleben könne, solange die Hälfte der Deutschen „Eigentum als Diebstahl“ betrachtete – eine Anspielung auf das immer noch große Wählerpotential von SPD und KPD. Trotz dieser Bemühungen blieb der Anteil der großindustriellen Spenden an den Finanzen der NSDAP aber gering, was sich unter anderem an der erheblichen Finanznot zeigte, in die die Partei im Herbst 1932 geriet – gerade zu dem Zeitpunkt, als sich in der berühmten Industrielleneingabe mehrere Bankiers, Agrariern und Industrielle bei Hindenburg für eine Kanzlerschaft Hitlers einsetzten. Größere Bedeutung für den Aufstieg der NSDAP hatte, wie der Historiker Henry A. Turner nachweisen konnte, ihre Selbstfinanzierung durch Mitgliedsbeiträge und Eintrittsgelder bei Redeveranstaltungen.

    Die Befürwortung seiner Ernennung zum Reichskanzler durch die nationalkonservativen Kreise um Franz von Papen sicherte sich Adolf Hitler, indem Papen zum Vizekanzler mit dem Recht, bei allen Vorträgen des Kanzlers beim Reichspräsidenten zugegen zu sein, ernannt wurde und die klassischen Ministerien von Konservativen besetzt wurden. Papen glaubte, Hitler dadurch „einrahmen“ zu können. Beim Treffen Papens mit Hitler im Haus des Bankiers Schröder einigten sich beide auf eine Reichskanzlerschaft Hitlers. Das Militär erhoffte sich von einem Reichskanzler Hitler eine Beseitigung oder zumindest eine Lockerung der Fesseln des Versailler Vertrags sowie eine Aufrüstung beziehungsweise Vergrößerung der Reichswehr. Nationalkonservative aus Wirtschaft und Politik wollten durch Hitler eine Stabilisierung der Regierung und auch eine Neuorientierung der politischen Kultur in Richtung einer autoritären Monarchie erreichen.

    Der Diktator

    Errichtung der Diktatur

    Der SPD-Politiker Otto Wels hielt vor dem Reichstag seine bekannte Rede gegen das Ermächtigungsgesetz

    Nach dem Reichstagsbrand, der den Kommunisten untergeschoben wurde, erreichte Hitler von Hindenburg den Erlass von Notverordnungen nach Art. 48 der Weimarer Verfassung. Mit ihnen war er in der Lage, Grundrechte außer Kraft zu setzen. Diese Notverordnungen hatten jedoch nur eine eng begrenzte Gültigkeitsdauer. An ihre Stelle sollte daher eine dauerhafte Regelung treten, das Gesetz zu Behebung der Not von Volk und Reich, das sogenannte Ermächtigungsgesetz. Dazu benötigte Hitler eine Zweidrittelmehrheit im Reichstag. Um diese zu erreichen, unterstützte eine Gruppe von Industriellen unter Führung von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach den NSDAP-Wahlkampf für die Wahl am 5. März 1933 massiv. Im Geheimtreffen vom 20. Februar 1933 stellten sie drei Millionen Reichsmark zur Verfügung. Als die Zweidrittelmehrheit dennoch nicht erreicht wurde, hinderten Hitlers SA und die Göring unterstehende preußische Polizei einen Teil der Reichstagsabgeordneten, nämlich alle 81 Angehörigen der KPD-Fraktion und einige Sozialdemokraten verfassungswidrig daran, an der entscheidenden Parlamentssitzung teilzunehmen. Bürgerliche Kreise sollten mit dem Tag von Potsdam beruhigt werden, bei dem sich das neue Regime in die preußische Tradition zu stellen suchte. Das Gesetz wurde gegen die Stimmen der verbliebenen SPD-Abgeordneten verabschiedet, aber mit Zustimmung der bürgerlichen Parteien, darunter das Zentrum und die Liberalen.

    Mit dem Inkrafttreten des Ermächtigungsgesetzes begann die nationalsozialistische Diktatur, in der zeitgenössischen Propaganda als Drittes Reich bezeichnet.

    Am 1. Juni 1933 wurde die sogenannte Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft eingeführt, eine Zwangsabgabe aller Betriebe zugunsten der NSDAP, berechnet nach der Lohn- und Gehaltssumme. Bis 1945 kamen so 700 Millionen Reichsmark an vermeintlichen Spenden zusammen. Die NSDAP und Hitler wurden hierdurch auf einen Schlag sämtlicher finanzieller Probleme entledigt. Hitler, angestachelt durch die Röhm-Konkurrenten Reichsführer-SS Heinrich Himmler, Hermann Göring und Reinhard Heydrich, nutzte einen angeblichen Putschversuch Ernst Röhms und gab den Befehl zur Nacht der langen Messer (30. Juni 1934), der Ermordung seines Duz-Freundes Röhm. Dabei wurden nicht nur zahlreiche Führer der SA, Generäle der Wehrmacht und Personen ermordet, die dem Regime im Weg standen, sondern auch Personen, die zuvor gegen Hitler opponiert hatten. So wurde der ehemalige Reichskanzler und General Kurt von Schleicher zusammen mit seiner Frau in deren Privatwohnung ermordet.

    Hitler im November 1935 bei einer Parade des Reichsparteitags, die Gebäude im Hintergrund existieren größtenteils heute nicht mehr, von der wieder aufgebauten Kirche St. Sebald und der Nürnberger Industrie- und Handelskammer abgesehen.

    In einer Rede vor dem Reichstag am 13. Juli 1934 erneuerte Hitler seine Zusage an die Reichswehr, sie würde die einzige Waffenträgerin des Staates bleiben. Nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburgs, am 2. August 1934, ging der Oberbefehl über die Reichswehr ohne Widerstand auf Hitler über. Dieser ließ das Amt des Reichspräsidenten abschaffen und nannte sich fortan Führer und Reichskanzler[23]. Er demonstrierte damit die Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers auf seine Person, verwendete jedoch bewusst nicht die Amtsbezeichnung Reichspräsident für sich; diese solle dem verstorbenen Paul von Hindenburg vorbehalten bleiben, so die offizielle Erklärung.[24] Anstelle eines Eides auf die Verfassung mussten Offiziere, Soldaten, Beamte und auch die Reichsminister nun „vor Gott“ einen persönlichen Eid auf den „Führer des Deutschen Reichs und Volkes Adolf Hitler“ schwören.[25]

    Im Januar 1938 trat der verwitwete Reichswehrminister Werner von Blomberg wegen seiner Heirat mit einer ehemaligen Berliner Prostituierten zurück, die als nicht standesgemäß betrachtet wurde, obwohl Hitler und Göring Trauzeugen gewesen waren. Im selben Monat geriet der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Freiherr von Fritsch, wegen einer zwei Jahre zurückliegenden falschen Anschuldigung bei Hitler in den Verdacht homosexueller Neigungen. Hitler löste beide Generäle von der Spitze der Wehrmacht ab und übernahm selbst den Oberbefehl. Als Leitungsorgan trat das Oberkommando der Wehrmacht an die Stelle des Reichswehrministeriums (→ Blomberg-Fritsch-Krise).

    Hitlers Verfolgungs- und Vernichtungspolitik

    Die Kennzeichnung der Häftlinge in den deutschen Konzentrationslagern zwang jeden, nach dem Grund seiner Verfolgung einen Winkel zu tragen.

    Die staatlichen Diskriminierungen und Verfolgungen in der Zeit des Nationalsozialismus, der ihre Opfer oft durch Flucht ins Exil oder durch Emigration zu entgehen versuchten, erstreckten sich nicht nur auf die politischen Gegner Hitlers und der NSDAP. Verhaftungen, Misshandlungen, Einweisungen in Konzentrationslager und andere Unterdrückungsmaßnahmen, die bis hin zu ihrer Ermordung reichten, trafen seit der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat („Reichstagsbrandverordnung“) vom 28. Februar 1933 vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, aber auch Pazifisten, die konservative Opposition und jeden sonstigen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Wegen ihrer Verweigerung des Wehrdienstes und des Hitlergrußes wurden die Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus verfolgt.

    Wesentliche Antriebskräfte für Hitlers Politik waren jedoch auch sein auf Ausrottung der Juden zielender Antisemitismus und sein radikaler Sozialdarwinismus. Vom Beginn seines öffentlichen Auftretens bis zu seinem Tod griff Hitler immer wieder die Juden und andere sogenannte rassisch Minderwertige an, zu denen er unter anderem Sinti und Roma, Polen und Russen zählte. Die nach den Juden größte unter Hitlers Herrschaft ermordete Gruppe waren etwa 2,5 bis 4 Millionen sowjetische Kriegsgefangene, die als „slawische Untermenschen“ ebenfalls der rassistischen Ideologie wegen vernichtet werden sollten. Als „Asoziale“ wurden auch andere sozial ausgegrenzte Gruppen, etwa Jenische und Homosexuelle, aber auch nonkonformistische Kinder und Jugendliche (→ Jugendkonzentrationslager), verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt und ermordet.

    Hitlers sozialdarwinistische Anschauungen traten auch in Äußerungen über kranke Menschen sowie Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen zutage, die er als „lebensunwert“ bezeichnete. Hitler sah in der Weltgeschichte einen permanenten Kampf, in dem die seiner Meinung nach Starken die vermeintlich Schwachen, die „höherwertigen“ die „minderwertigen Rassen“ auszumerzen hätten. So sagte er z. B. auf dem Parteitag der NSDAP in Nürnberg 1929: „Würde Deutschland jährlich eine Million Kinder bekommen und 700.000 bis 800.000 der Schwächsten beseitigt, dann würde am Ende das Ergebnis vielleicht sogar eine Kräftesteigerung sein.“

    Der Ablauf der Judenverfolgung

    Der Antisemitismus Hitlers und der Nationalsozialisten zeigte sich zunächst in der offenen Diskriminierung und Entrechtung der Juden und führte während des Zweiten Weltkrieges zum Holocaust. Der sogenannten Endlösung der Judenfrage, dem von Hitler bereits in Mein Kampf angedeuteten Plan, alle Juden auszurotten, fielen rund sechs Millionen Menschen in ganz Europa zum Opfer.

    Die Diskriminierungen in Deutschland begannen bereits kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Im April 1933 ordnete die neue Regierung einen eintägigen Boykott jüdischer Geschäfte als Antwort auf angebliche „jüdische Gräuelpropaganda“ aus dem Ausland an. Es folgten Verordnungen und Gesetze, die die Rechte der Juden immer weiter einschränkten und sie zu Bürgern 2. Klasse degradierten. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums beispielsweise diente der Entlassung jüdischer Beamter aus dem Öffentlichen Dienst. Auch die Ausübung anderer Berufe wurde den Juden im Laufe der Zeit immer weiter erschwert. Jüdische Ärzte oder Rechtsanwälte etwa durften nur noch jüdische Klienten bedienen. Andere Berufe waren ihnen ganz verschlossen.

    Die offen rassistischen Nürnberger Gesetze von 1935 beraubten die Juden endgültig ihrer staatsbürgerlichen Rechte. Unter anderem wurden Ehen zwischen Juden und Nichtjuden verboten und sexuelle Beziehungen zwischen ihnen als sogenannte Rassenschande unter Strafe gestellt. Staat und Partei förderten die sogenannten Arisierungen, d. h. die Übernahme jüdischer Unternehmen durch Nichtjuden zu – für letztere – äußerst vorteilhaften Bedingungen. Auswanderungswilligen Juden wurde zugleich eine Reichsfluchtsteuer auferlegt, durch die sie die ohnehin geringen Erlöse aus Arisierungen großenteils wieder verloren. Vor dem Krieg fand die Judenverfolgung ihren Höhepunkt in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Als angeblich „spontane Äußerungen des Volkszorns“ organisierte Joseph Goebbels im Auftrag Hitlers gewalttätige Ausschreitungen gegen Juden, jüdische Gemeinden, Synagogen und andere Einrichtungen im ganzen Reich.

    Nach Kriegsausbruch ging das Hitler-Regime von der Verdrängung und Vertreibung zur Vernichtung der Juden über. Die Auswanderung war bald nicht mehr möglich, und die Juden in allen von Deutschland kontrollierten Gebieten wurden nun ebenfalls verfolgt. Seit dem 1. September 1941 wurden alle Juden, die älter als 6 Jahre waren, gezwungen, einen Gelben Stern gut sichtbar an ihrer Kleidung zu tragen. Dazu kamen zahllose weitere Diskriminierungen und Schikanen, wie die Verbote, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen sowie Autos, Radios oder Haustiere zu besitzen. Nach und nach wurden die Juden im deutschen Machtbereich in Ghettos oder Konzentrationslager eingewiesen. Von 1942 an wurden im besetzten Polen schließlich mehrere Vernichtungslager wie Auschwitz-Birkenau oder Majdanek eingerichtet, die dem industriell betriebenen Massenmord vor allem an Juden, Sinti und Roma, Russen, aber auch an polnischen Intellektuellen, Jenischen und anderen dienten.

    Hitlers unmittelbare Verantwortung für diese Taten ist nach dem Krieg von Holocaustleugnern und anderen immer wieder mit dem Argument bestritten worden, es gebe kein entsprechendes, von Hitlers eigener Hand unterzeichnetes Dokument zur Judenvernichtung. Dem stehen aber die erwähnten, öffentlichen und klar dokumentierten Äußerungen Hitlers entgegen, die zeigen, dass die von seiner Regierung zu verantwortende Rassenpolitik ganz seinen persönlichen Ansichten und Zielen entsprach. Dies begann nicht erst mit den Äußerungen in Mein Kampf und endete nicht mit seiner Reichstagsrede vom 30. Januar 1939, in der er für den Fall eines Krieges die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ androhte. Spätestens im Frühjahr 1941, auf dem Höhepunkt seiner Macht, und nicht erst als vermeintliche Verzweiflungstat im Spätherbst desselben Jahres, als die militärische Niederlage gegen die Sowjetunion bereits absehbar war, verfügte Hitler laut Heinrich Himmler persönlich die restlose physische Vernichtung der Juden; letzterer äußerte sich im Frühling 1941, noch vor dem Angriff auf die Sowjetunion, gegenüber seinem Leibarzt Felix Kersten dahingehend, dass „die Juden bis Kriegsende bis auf den letzten Menschen ausgerottet werden [müssen]. Das ist der eindeutige Wunsch und Befehl des Führers.“[26] Im Oktober 1943 schilderte Himmler vor den SS-Gruppenführern und zwei Tage später vor den Reichs- und Gauleitern der NSDAP in den Posener Reden die physische Ausrottung der Juden im Klartext.[27] Beides hätte er ohne ausdrückliche Billigung seines „Führers“ kaum gewagt.

    Darüber hinaus existieren Augenzeugenberichte, die Hitler auch mit den Details des Judenmordes in Verbindung bringen. So sagten sein Kammerdiener Heinz Linge und sein Adjutant Otto Günsche unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in sowjetischer Haft aus, dass sich Hitler „persönlich“ für die Entwicklung von Gaskammern interessiert hätte. Er habe sogar Modelle und Zeichnungen, die ihm Himmler vorlegte, begutachtet und angeordnet, den Konstrukteuren „umfassende Unterstützung“ zu geben.

    Das Euthanasieprogramm

    Anders als im Fall des Holocaust lässt sich Hitlers persönliche Verantwortung für die nationalsozialistischen Verbrechen in einem anderen Fall auch mit Dokumenten belegen: Im Oktober 1939 unterschrieb er eigenhändig den Befehl zur später so genannten Aktion T4.[28] Damit ermöglichte er die vermeintliche Euthanasie, womit in diesem Fall die Ermordung von geistig und körperlich Behinderten gemeint war, deren Existenz in der ideologischen Sprache des Dritten Reiches als lebensunwertes Leben bezeichnet wurde.

    Mit der Realisierung der T4-Aktion wurde die Kanzlei des Führers unter Reichsleiter Philipp Bouhler beauftragt. Er ließ Nervenheilanstalten, Krankenhäuser und Heilanstalten in Vernichtungsstätten umfunktionieren. Allein im damaligen Reichsgebiet wurden fast 190.000 geistig und körperlich behinderte Menschen ermordet – durch Vergasen, Vergiften, Erschießen oder Verhungernlassen. Die Zahl der Opfer in den besetzten Gebieten ist nur schwer zu ermitteln, jedoch unzweifelhaft sehr hoch.

    Vertreter beider großen Kirchen in Deutschland – beispielsweise der Bischof von Münster, Kardinal von Galen – wandten sich gegen die Mordaktionen. Diese wurden daraufhin im Geheimen weitergeführt. Bei Kriegsende war etwa die Hälfte aller Anstaltsinsassen getötet worden. Die Ermordung der Behinderten diente den SS-Einsatzkommandos als Experimentierfeld für die späteren Massenmorde an Juden.

    Aufrüstung und expansive Außenpolitik

    Hitler mit Mussolini in der Münchner Ludwigstraße

    Wie schon die demokratischen Politiker der Weimarer Republik, verfolgte auch Hitler außenpolitisch die Revision des Versailler Vertrags. Aber anders als diese war er nicht bereit, dabei nur auf diplomatischem Wege und im Konsens mit den ehemaligen Kriegsgegnern zu handeln, sondern nahm auch einen erneuten militärischen Konflikt in Kauf.

    Dazu kam es zunächst aber nicht, da die übrigen europäischen Mächte Hitler weit entgegen kamen. Großbritannien etwa schloss mit dem Reich das deutsch-britische Flottenabkommen, und Polen vereinbarte mit ihm 1934 einen Nichtangriffspakt. Schon die Erhöhung des Wehretats im März 1934, die Rheinlandbesetzung im März 1936 und die Aufrüstung der Reichswehr weit über das in Versailles festgelegte Maß hinaus stellten zwar glatte Brüche des Friedensvertrags von 1919 dar, wurden von den einstigen Siegermächten aber ebenfalls hingenommen.

    Die bloße Revision von Versailles betrachtete Hitler jedoch nur als Etappenziel. Nach eigenen Aussagen betrachtete er sogar die deutschen Grenzen von 1914 als „unlogisch“ und zu eng. Obwohl Hitler in seinen Reden immer wieder Willen zum Frieden vorgab, lief seine ganze Politik von Beginn an auf Krieg hinaus. Nach dem Tod Hindenburgs 1934 teilte er der Generalität mit, sein Ziel sei es, innerhalb von fünf Jahren die Kriegsbereitschaft Deutschlands herzustellen. Das gleiche Ziel verfolgte Hitler mit der Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht 1935 und mit dem 1936 verkündeten Vierjahresplan.

    Der wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands seit 1933 beruhte wesentlich auf der allgemeinen Erholung der Weltkonjunktur sowie auf einem durch teilweise verschleierte Kredite finanzierten Programm staatlicher Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Dabei spielte der obligatorische Reichsarbeitsdienst ebenso eine Rolle wie die verstärkte Aufrüstung, die ohne ausreichende Deckung durch das Reich über die sogenannten Mefo-Wechsel finanziert wurde.

    Die Entschlossenheit der nationalsozialistischen Außenpolitik zeigte sich bereits im Oktober 1933, als Deutschland Abrüstungsverhandlungen mit Großbritannien und Frankreich abbrach und aus dem Völkerbund austrat. 1934 unterstützte Hitler einen nationalsozialistischen Putschversuch in Wien, bei dem der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß ermordet wurde. Auf der gleichen Linie lag die Unterstützung Francos im Spanischen Bürgerkrieg seit 1936. Der Einsatz der deutschen Legion Condor, die entscheidend zu Francos Sieg beitrug, galt nicht zuletzt der Erprobung der Luftwaffe für einen kommenden Krieg. Am 5. November 1937 weihte Hitler die Generalität in seine weiteren Pläne ein. In der Niederschrift, die der anwesende Oberst Hoßbach von der Geheimkonferenz anfertigte, heißt es, zur Lösung der deutschen Frage könne es nur den Weg der Gewalt geben. Zugleich gab Hitler seinen Entschluss bekannt, bei nächster Gelegenheit gegen die Tschechoslowakei und Österreich loszuschlagen.

    Noch im Dezember 1937 genehmigte Hitler den 1. Nachtrag zur Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung für die Wehrmacht vom 24. Juni 1937, in dem diese Offensivpläne konkretisiert wurden. So heißt es u. a.: „Hat Deutschland seine volle Kriegsbereitschaft erreicht, so wird die militärische Voraussetzung geschaffen sein, einen Angriffskrieg gegen die Tschechoslowakei (…) auch dann zu einem siegreichen Ende zu führen, wenn die eine oder andere Großmacht gegen uns eingreift.“

    Hitlers Auto wird heute im Canadian War Museum in Ottawa ausgestellt. Es wurde Kanada nach dem Krieg von den USA geschenkt.

    Mit militärischen Drohungen erreichte Hitler im März 1938 den Anschluss Österreichs als Ostmark an das nunmehr sogenannte Großdeutsche Reich (vgl. Unternehmen Otto), wobei ihm die Begeisterung der österreichischen Bevölkerung stark entgegenkam. Am 13. März unterzeichnete er im Linzer Hotel Weinzinger das Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich. Am 15. März empfing ihn Wien mit ungeheurem Jubel. Vom Balkon der Hofburg aus verkündete er die „Vollzugsmeldung meines Lebens“: den „Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich.“[29]

    Im Oktober des gleichen Jahres 1938 verlangte er die Abtretung des mehrheitlich von Deutschen besiedelten Sudetenlandes von der Tschechoslowakei an Deutschland. Da die Tschechoslowakei mit Frankreich und Großbritannien verbündet war, drohte schon damals der Ausbruch des Krieges. Auf Vermittlung Mussolinis, der eine Anregung der britischen Regierung aufgegriffen hatte, sie werde seine Vermittlung in der Sudetenfrage begrüßen,[30] kam in München eine Konferenz mit dem britischen Premier Arthur Neville Chamberlain, dem französischen Ministerpräsidenten Édouard Daladier und dem italienischen Duce Benito Mussolini zustande. Chamberlain und Daladier erschienen ihre Länder noch nicht kriegsbereit, so dass sie in Fortsetzung ihrer bisherigen Appeasement-Politik Hitlers Forderungen im Münchner Abkommen erfüllten und ihr Bündnis mit der Tschechoslowakei preisgaben. Trotz Hitlers Bestandsgarantie für die „Rest-Tschechei“, wie er sie nannte, erzwang er im März 1939 – wiederum unter Kriegsdrohung – die Errichtung des sogenannten Protektorats Böhmen und Mähren, d. h. eines deutschen Vasallenstaats. Die Slowakei bildete nominell einen unabhängigen Staat, der aber de facto gleichfalls völlig von Deutschland abhängig war.

    Unmittelbar nach der völligen Zerschlagung der Tschechoslowakei versicherte Hitler in einer Reichstagsrede, die letzten territorialen Forderungen Deutschlands seien damit erfüllt. Gleichwohl sollte er schon wenige Monate später die Angliederung Danzigs an das Reich fordern und in dem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt vom August 1939 die Aufteilung Polens und des Baltikums zwischen Deutschland und der Sowjetunion festschreiben lassen. Die Forderungen an Polen lösten schließlich den Zweiten Weltkrieg aus. Auf diesen Krieg war Hitlers Denken und Regierungshandeln seit 1933 fixiert. Alles andere hatte sich dem unterzuordnen. Sein Verhalten während und nach der Sudetenkrise hatten aber in Großbritannien und Frankreich zu einem Umdenken geführt. Den führenden Staatsmännern beider Länder war nun bewusst, dass Hitler nicht vertragsfähig war und dass ein Eingehen auf seine Forderungen nur weitere Forderungen nach sich zog.

    Hitler und der Zweite Weltkrieg

    Neben der Vernichtung der Juden und dem dauerhaften Erhalt nationalsozialistischer Macht in Form einer kontinuierlichen Diktatur verfolgte Hitler nur ein einziges weiteres politisches Ziel, das er ebenfalls schon in Mein Kampf benannte: die Weltmachtstellung Deutschlands. Da beides ohne Gewalt nicht zu erreichen war, arbeitete Hitler seit Beginn seines politischen Wirkens auf den nächsten Krieg hin. Dabei ging es ihm nicht nur um die Revision der Ergebnisse des Ersten Weltkriegs, sondern um die Eroberung eines in kontinentaler Grenzkolonisation zu erschließenden riesigen Kolonialreichs oder – wie er es nannte – von „Lebensraum im Osten“. Die geplanten Eroberungen richteten sich also im Wesentlichen gegen die Sowjetunion. Die Tatsache, dass er diese Politik als Kampf gegen den Bolschewismus darstellen konnte, trug dazu bei, dass viele westliche Politiker das nationalsozialistische Deutschland als willkommenes Bollwerk gegen die Sowjetunion betrachteten und Hitler lange gewähren ließen. Vor allem aber trug die Appeasementpolitik Chamberlains und Daladiers einer allgemein verbreiteten Haltung der Bevölkerung Großbritanniens und Frankreichs Rechnung, nach der ein neuer Krieg unter allen Umständen zu vermeiden war.

    Erst nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Prag erkannten die Regierungen beider Länder, dass ein Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland unvermeidlich geworden war. Sie erhöhten ihre Rüstungsausgaben und bemühten sich um die Sowjetunion als natürlichen Verbündeten. Josef Stalin und sein Außenminister Molotow ließen entsprechende Verhandlungen jedoch scheitern, da sie der Meinung waren, Großbritannien und Frankreich benötigten die Hilfe der Sowjetunion dringender als diese die Unterstützung des Westens. Stalin rechnete mit einem langen Stellungskrieg im Westen wie nach 1914 und plante, mit der Roten Armee erst einzugreifen, wenn alle anderen Kriegsparteien erschöpft seien. Zudem benötigte er Zeit, um die während der politischen „Säuberungen“ der vergangenen Jahre geschwächte Rote Armee zu reorganisieren.

    Hitlers Interessen deckten sich teilweise mit denen Stalins. Auch ihm kam es darauf an, Zeit zu gewinnen. Er wollte einen Zweifrontenkrieg wie 1914/18 vermeiden, zunächst Frankreich schlagen, Großbritannien möglichst aus dem Krieg heraushalten und sich erst dann seinem eigentlichen Ziel, Russland, zuwenden. Zur allgemeinen Überraschung unterzeichnete sein Außenminister Joachim von Ribbentrop am 23. August 1939 in Moskau einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, der in einem geheimen Zusatzprotokoll die Aufteilung Osteuropas in eine deutsche und eine sowjetische Interessensphäre vorsah. Gedeckt durch den Hitler-Stalin-Pakt, konnte Deutschland nun – von der UdSSR ungehindert – Polen, Frankreich und Großbritannien angreifen.

    Die Entfesselung des Krieges

    Den Abschluss des Pakts verstanden alle europäischen Mächte als Signal für den unmittelbar bevorstehenden Kriegsbeginn. Tatsächlich forderte Hitler von Polen prompt die Abtretung des sogenannten Korridors zwischen Hinterpommern und Ostpreußen sowie die Angliederung der freien Stadt Danzig ans Reich. Ebenso prompt verstärkte die von der Regierung kontrollierte deutsche Presse ihre Berichterstattung über angebliche Gräueltaten und Massaker von Polen an „Volksdeutschen“ und forderte ein Einschreiten gegen diese „Provokationen“.

    In der Nacht vom 31. August auf den 1. September 1939 inszenierten in polnische Uniformen gekleidete SS-Männer einen Überfall auf den Sender Gleiwitz in Schlesien. Später wurden die Leichen von KZ-Häftlingen, denen man ebenfalls polnische Uniformen angezogen hatte, als bei dem vermeintlichen Überfall angeblich erschossene Angreifer präsentiert. Am 1. September verkündete Hitler vor dem Reichstag, Polen habe Deutschland angegriffen und seit 5:45 Uhr werde nunmehr zurückgeschossen. Bei dieser neuerlichen Lüge stimmte nicht einmal die Uhrzeit. Die Wehrmacht war ohne Kriegserklärung um 4.45 Uhr auf breiter Front in Polen einmarschiert. Anders als bei der Tschechoslowakei im Jahr zuvor – und anders als Hitler erwartet hatte – standen Frankreich und Großbritannien diesmal zu ihren Bündnisverpflichtungen. Damit hatte der Zweite Weltkrieg begonnen.

    Der Kriegsverlauf
    Animation des Kriegsverlaufs in Europa

    Polen war bereits nach 18 Tagen de facto besiegt (auch wenn die letzten polnischen Feldtruppen erst am 6. Oktober kapitulierten), und am 17. September marschierte die Rote Armee in Ostpolen ein, wie in dem geheimen Zusatzprotokoll des Hitler-Stalin-Pakts festgelegt. Kurz darauf befahl Stalin den Angriff auf Finnland. Die empfindlichen Niederlagen, die die Sowjets im Winterkrieg von 1939/40 zunächst hinnehmen mussten, bestärkten Hitler später in seiner Annahme, die Rote Armee sei ein leicht zu besiegender Gegner.

    Seinen größten Triumph feierte Hitler im Frühjahr 1940, als die Wehrmacht in mehreren Blitzkriegen, die kaum zwei Monate dauerten, Dänemark, Norwegen, die Benelux-Staaten und schließlich sogar Frankreich besiegte. Nach dem am 22. Juni in Compiègne geschlossenen Waffenstillstand mit dem besiegten Frankreich sagte Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel zu Hitler, er sei „der größte Feldherr aller Zeiten“. Der Volksmund verulkte diese Bezeichnung als „GröFaZ“.

    In Großbritannien war Arthur Neville Chamberlain mittlerweile von Winston Churchill abgelöst worden, der schon seit 1933 ein kompromissloses Auftreten gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland verlangt hatte. Hitler sah dennoch in Großbritannien einen möglichen Verbündeten und appellierte 1940 „an die Vernunft auch in England“, den Krieg gegen Deutschland unverzüglich (und zu dessen Konditionen) zu beenden.[31] Trotz Großbritanniens ungünstiger Lage lehnte Churchill jede Verständigung mit Hitler ab.[32]

    Die Luftschlacht um England (10. Juli bis 31. Oktober 1940) endete als militärisches Patt, war aber eine politische und strategische Niederlage für Hitler, dem es zum ersten Mal nicht gelungen war, einem Land seinen Willen aufzuzwingen.[33] Aufgrund der fehlenden Luftherrschaft und der Tatsache, dass Großbritannien zu diesem Zeitpunkt keine akute Bedrohung darstellte, ließ Hitler im Frühjahr 1941 die Planungen für das „Unternehmen Seelöwe“, die Invasion Englands, abbrechen. Er wandte sich nun seinem eigentlichen Ziel zu, der Expansion nach Osten. Bereits im Juli 1940 hatte er mit Wilhelm Keitel und Alfred Jodl über die Notwendigkeit gesprochen, die Sowjetunion als letzte kontinentale Hoffnung Englands auszuschalten.[34]

    Zunächst kam die Wehrmacht im Frühjahr 1941 im Balkankrieg Mussolinis Italien zu Hilfe, dessen Angriff auf Griechenland gescheitert war. Die Eroberung des Balkans sollte aber auch der Sicherung der deutschen Südflanke für den geplanten Überfall auf die Sowjetunion dienen.

    Der Angriff erfolgte unter dem Decknamen „Unternehmen Barbarossa“ – erneut ohne Kriegserklärung – am 22. Juni 1941. Ein großes Täuschungsunternehmen, das von Norwegen und von der französischen Küste aus organisiert wurde, sollte die Absicht einer Landung in England im Juni 1941 vortäuschen und damit die Aufmerksamkeit vom Osten ablenken.[35] Die nationalsozialistische Propaganda verklärte den Krieg als Kampf von Antikommunismus, Antibolschewismus und „abendländischer Kultur“ gegen „asiatische Barbarei“ und „jüdischen Bolschewismus“. Tatsächlich handelte es sich – auch nach Hitlers persönlichem Verständnis – von Anfang an um einen Raub- und Vernichtungskrieg. Er diente alleine dem Ziel, „Lebensraum“ für das „arische